Das St. Gallen Symposium steht vor der Tür, diese Woche ist es wieder mal soweit!
Der eine oder andere fragt sich hierbei vielleicht: Bitte? Was steht vor der Tür?
Jedes Jahr treffen sich im Rahmen des Symposiums fast 1.000 Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zum generationenübergreifenden Austausch mit Studierenden und Jungunternehmern aus der ganzen Welt, um während zwei Tagen über globale Herausforderungen und Lösungsansätze hierfür zu sprechen.
Morten Lund beschrieb seine Erfahrungen am 40. St. Gallen Symposium beispielsweise folgendermassen:
Just got back from a MIND-BLOWING conference – and it takes quite some to blow my mind on conferences – since I do 20-30 a year. But at the St. Gallen Symposium I really saw how BIG you can think – and how WIDE you can execute. Every TOPTOP biz dude from Europe was there – and well thats fine – but more impresive was the fact that 200 students from all over the world was flewn in – and the talks and the debate was SECOND TO NONE.

Jedes Jahr übernimmt das International Students’ Committee St. Gallen (ISC) – ein Team von rund 30 Studierenden – freiwillig die Verantwortung für die Organisation des Symposiums. Neben der Gestaltung und Planung des Symposiums widmet sich das ISC insbesondere der konzeptionellen und inhaltlichen Gestaltung der „3 Tage im Mai“. Es legt die thematischen Eckpunkte fest und pflegt die Kontakte zu den Mitgliedern des Fördererkreises, ausgewählten Referenten und Teilnehmern sowie zu Medienvertretern und führenden Universitäten auf der ganzen Welt.
Bevor Max, Simon, Samy und ich ventureworks gründeten, haben wir gemeinsam zwei Jahre lang im ISC gearbeitet und zwei Symposien mitorganisiert, an denen tolle Referenten und noch beeindruckendere Leaders of Tomorrow teilnahmen. Nachfolgend möchte ich auf einige wichtige Lehren eingehen, die wir aus diesem intensiven Engagement für uns als Startup mitnehmen konnten:
1. Friendly Persistence
Das ISC schafft es Jahr für Jahr mit einem jährlich wechselnden Team, das Who is Who der Wirtschaftswelt davon zu überzeugen, nach St. Gallen zu kommen. Klar steht hinter dieser Organisation ein enormes, über vier Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk, vor allem aber steht hinter dem Einsatz der studentischen Organisatoren eine unternehmerisch-freche Grundhaltung – Friendly Persistence genannt.
Konkret geht es darum, richtig nachzufassen (worüber Samy kürzlich schon geschrieben hat) und selbstbewusst aufzutreten. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, den richtigen Personen zu den richtigen Gelegenheiten handschriftliche Briefe zu schicken oder Blumen oder Geburtstagswünsche oder vielleicht einfach nur einen interessanten Zeitungsartikel.
Grundsätzlich liegt dem die Einsicht zugrunde, dass erfolgreiche Überzeugungsarbeit nicht mit dem Versand einer Mail und dem Tätigen eines Anrufs getan ist. Vielmehr beruht Überzeugungsarbeit (und um nichts anderes geht es, wenn man den CEO eines internationalen Konzerns von einer Teilnahme am Symposium überzeugen möchte) auf einem strategischen und permanenten Platzieren von Anliegen über unterschiedliche Kanäle (Mail, Telefon, SMS, Social Media, persönliches Treffen, Presse, gemeinsame Kontakte etc.). So kann es beispielsweise erfolgsversprechender und zielführender sein, den besten Geschäftspartner der jeweiligen Zielperson für sein Anliegen zu gewinnen, als die Person selbst.
Ich brauche nicht zu erklären, warum das für Startups eine wichtige Fähigkeit ist… Als Gründer hat man in der Regel nur ein kleines Netzwerk, aber eine grosse Vision. Um diese bei den richtigen Personen zu platzieren, ist Friendly Persistence eine Kernkompetenz, die keinem Gründer fehlen darf.
2. Perfekte Execution
Take a Swiss armyknife and let it have sex with a PATEK PHILIPPE watch – then you have an idea of the precision and controle and security – AND YET STILL WARMNESS AND HAPPINESS that was spread around here.
Mit diesen Worten beschreibt Morten Lund seine Erfahrungen in St. Gallen. Auch als Startup müssen das die eigenen Ansprüche sein. Perfektion in den Leistungen, die man erbringen will. Fokus auf einen überzeugenden Auftritt. Als Grosskonzern macht man ein Projekt, und wenn das in die Hose geht, kommt das nächste. Als Startup hat man genau einen Versuch, und in der Regel kein Budget, das Fehler erlaubt.
Klar müssen Dinge ausprobiert werden, und Produkte entwickeln sich weiter – basierend auch auf Kundenfeedback. Nur durch jahrelanges Finetuning ist beispielsweise das Symposium hinsichtlich seiner Servicequalität da angelangt, wo es heute steht.
Beim Markteintritt des eigenen Produkts hat man als Gründer diesen Luxus von Zeit und Budget nicht. Es muss alles stimmen. Und dafür muss man den Ehrgeiz und den Anspruch an sich selbst an den Tag legen, sich nicht mit ungenügender Qualität und Execution zufrieden zu geben. Niemals!
3. Das Bigger Picture im Auge behalten
Die Arbeit des ISC-Teams beginnt im September. Das Symposium findet jeweils im Mai statt. Dazwischen liegen, für die meisten Teammitglieder, die acht anstrengendsten und intensivsten Monate ihres bisherigen Lebens. Schlaflose Nächte, mühsame Sitzungen, Planung bis ins letzte Detail – und darüber hinaus. Dabei kann es schonmal vorkommen, dass man vor lauter Tasks und ToDos die Übersicht verliert. Und zwar nicht nur über die unmittelbar anstehenden Aufgaben, sondern auch über das Gesamtprojekt an sich.
Immerhin arbeitet man und arbeitet und arbeitet und irgendwann fragt man sich, wofür eigentlich? Startups, die monate- oder jahrelange Entwicklungs- und Vorbereitungszeiten haben, bis sie in den Markt einsteigen, kennen dieses Problem. Wie behält man das Big Picture im Auge? Wie stellt man sicher, dass sich das Team auf diejenigen Aufgaben konzentriert, die erfolgsrelevant sind?
Im ISC habe ich gelernt, dass vor allem visuelle Signale diesen Zweck erfüllen können. Im Grunde ist ja davon auszugehen, dass sowohl in einem Startup als auch im ISC alle Teammitglieder die Unternehmensvision im Detail kennen und teilen. Es geht also vor allem darum, ihnen diese regelmässig ins Gedächtnis zu rufen, um eine kritische Reflexion der Sinnhaftigkeit und des Werts der eigenen aktuellen Tätigkeit zu bewirken.
Wie schafft man das? Beim Symposium haben wir, als wir merkten, dass das Big Picture wiedermal einen Wakeup-Call vertragen könnte, angefangen, auf einem grossen Zettel an den täglichen Teamsitzungen die Zahl der verbleibenden Tage bis zum Symposium anzuschreiben. Analog kann man so etwas bei Startups umsetzen und täglich aufzeigen, wieviele Tage bis zum geplanten Markteintritt verbleiben.
Ein weiteres Mittel, um die gemeinsame Vision hervorzuheben, ist die aktive Nutzung von Logos, Claims und anderen Elementen der Corporate Identity. Auch kann es helfen, Mitarbeiter an Konferenzen oder bei Treffen mit Externen die Geschäftsidee und -vision pitchen zu lassen. Hierbei sei jedoch zu Vorsicht geraten, da nicht jeder Startup-Mitarbeiter auch gleich ein geborener Pitcher ist…
Zusammenfassend kann ich sagen, dass uns unsere Erfahrungen im ISC für ventureworks viel gebracht haben und wir einige der Best Practices direkt übernehmen konnten. Als ehemalige Teammitglieder ist man der Organisation auch noch über das eigene Teamjahr hinaus verbunden und hilft gerne den Nachfolgern. So steht diesen Donnerstag bereits das 42. St. Gallen Symposium zum Thema Facing Risk mit zahlreichen spannenden Referenten an und das ventureworks-Team wird fleissig mithelfen.
Ich möchte jeden Gründer dazu ermutigen, sich die drei Themen Friendly Persistence, perfekte Execution und Big Picture regelmässig ins Gedächtnis zu rufen und zu hinterfragen, ob man genug tut, um seine eigenen Ansprüche zu erfüllen.